Torn

A smile so bright it came through as a light with her skin feeling soft and almost overly kind,

I envy feelings of the many other people I’ve seen, embracing love and one another like they’ve always just been,

A glance so happy like she’s never been wronged yet a fickle strength in her voice likes she’s seen many wars,

I struggle to grasp the mere concept of love, seen and heard it but never felt it in my guts and above,

A touch oh so gentle, so loving and kind but I’m thinking – is it even really me on her mind?

I feel it, the bumps and the warmth just inside, when I read it, a message of the woman I like,

A kiss on my lips with my hand on her hips, the most joyous of moments with a dauntering twist,

I enjoy every second when we meet with our lips, yet I struggle to believe that she’s really my miss.

A woman so lovely I can’t help but to think: Will she really be mine or will she make my heart shrink?
A thought oh so vile, so cruel but strong – is what I’m feeling the truth or have I gotten it wrong?

I like her I know that and I want her to see me, as a man to caress her yet let her live freely.
I know that she likes me, ‚least I think that I do, but do I know truly or am I just a fool?

I’m a man that is torn by a woman he likes and a mind so forceful his depression abides.
No idea what to do, no idea how to act, I don’t want her to leave yet I’m too impatient to rest.

Always at war with what’s inside of my head, I struggle to become what would really be best:
A version of mine that is trusting and calm, that wouldn’t come busting and just take her arm,
Take her arm and embrace her, let their hearts become racers, touch her cheek and kiss gently what’s been mine evidently.

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Zwischen Traum und Wirklichkeit

Wir wandern den Fußweg am Rande einer Straße entlang, links und rechts erheben sich die Fassaden der Häuserreihen, vereinzelt sitzen Menschen in Cafés, unterhalten sich, tauschen sich aus. Ein bekanntes Muster. Plötzlich setzt sich der Boden unter uns in Bewegung, das Fundament der Straße löst sich vom Erdboden, die Gesteinsmassen erheben sich und der Horizont bewegt sich, dreht sich, kommt näher und dann senkrecht vor uns zur Ruhe. Christopher Nolans „Inception“ spielt mit den Gesetzen der Physik und der menschlichen Vorstellungskraft, entführt uns in eine Welt, in der alles möglich scheint, bricht mit bekannten Mustern und hinterlässt uns mit der Frage – war das alles nur ein Traum?

Seit jeher üben Träume einen magischen Reiz auf Menschen aus und bis heute ist ungeklärt, welche Bedeutung das Träumen für Menschen hat. Sigmund Freud (1900, S. 1) beispielsweise sah in Träumen ein „sinnvolles psychisches Gebilde, welches an angebbarer Stelle in das seelische Treiben des Wachens einzureihen ist.“ Er brach damals mit dem vorherrschenden Muster, wonach Träume die Verarbeitung des Erlebten darstellten und bezeichnete sie als ein „vollgiltiges psychisches Phänomen, und zwar eine Wunscherfüllung (…) (1900, S. 85).“ Wenn man Freuds Deutung von Träumen zugrunde legt, stellen diese die Möglichkeit dar, unbewusste Triebe und Bedürfnisse zu verwirklichen. Das Verständnis von Träumen würde demnach ein tieferes Verständnis des eigenen Selbst und eine potenzielle Weiterentwicklung des Bewusstseins mit sich bringen.

Carl Gustav Jung griff Freuds Theorien auf, legte jedoch größeren Wert auf die spezifischen Trauminhalte. So verwies Jung (2001, S. 7-8) auf die Eigenschaft des Menschen, im Alltag und in Fällen von Ereignissen, die „jenseits menschlicher Erkenntnis liegen“ (S. 8) bewusst und unbewusst auf Zeichen und Bilder zurückzugreifen, um Dinge zu beschreiben und zu benennen. Die Möglichkeit der Wahrnehmung des Menschen ist dabei begrenzt, weshalb sich eben jener Symbolcharakter auch in Träumen widerspiegelt:

„Jeder Akt (…) der Erkenntnis erfüllt seine Aufgabe nur partiell, insofern als er nie vollständig ist. (…) Sodann übersetzt die Apperzeption [d.h. Erkenntnis, Anm.] die beobachtete Tatsache in (…) die Form und Essenz eines psychischen Ereignisses, dessen wahre Natur unerkennbar ist. Unerkennbar deswegen, weil die Erkenntnis sich nicht selber erkennen kann. Die Psyche kann über ihre eigene Substanz nichts wissen.“ (Jung, 2001, S. 8).

Dies ist dahingehend bedeutsam, dass ein solches Ereignis seinen unbewussten Aspekt auch in einem Traum manifestieren kann. Allerdings nicht als rationalen Gedanken, sondern in Form eines „symbolischen Bildes“ (S. 9), so Jung (2001, S. 8-9).

Sowohl Freud (1900) als auch Jung (2001) sprachen Träumen somit eine erhebliche Bedeutung zu. Freud vorwiegend auf triebgeprägter und psychopathologischer Ebene, Jung wiederum in Hinblick auf die Deutung traumspezifischer Symbole für unbewusste Erkenntnisse.

Paul Tholey, Gestaltpsychologe und später Professor für Psychologie, setzte sich mit Träumen aus einem anderen Grund auseinander. Ihn bewegte eingangs die Frage, ob Träume in Farbe seien (Gassmann, undatiert). Dabei verließ er sich nicht auf die Erinnerung an Träume, sondern sah sich als Anhänger des kritischen Realismus‘ nach Pröpper verpflichtet, ein kritisches Bewusstsein in seine Träume zu tragen und somit das subjektive Erleben von der objektiven Realität abzugrenzen, was ihm mit der Zeit auch gelang. Im Zuge dieser Forschung stieß er auf das Phänomen des luziden Träumens, auch als Klarträumen bezeichnet (Gassmann, undatiert).

Klarträumen, so Tholey (1982b, S.1), bezeichnet eine „Bewusstseinstechnik, um eigene Träume im Schlaf bewusst zu verfolgen und aktiv zu gestalten.“ Der Sinn liegt laut Tholey (1982b, S. 1) auf der Hand: „Im Schlaf lassen sich innerseelische Dialoge führen (vgl. Freud, 1900) und Problemlösungen erreichen, die auch das Alltagsleben verändern.“

Tholey (1982b, S. 1) unterscheidet beim Klarträumen zwischen verschiedenen Bewusstseinsstufen, die einem im Zuge des Traumes gewahr werden können:

  • Der Klarheit des Bewusstseinszustandes,
  • der Klarheit über eigene Handlungsmöglichkeiten,
  • der Klarheit des Bewusstseins,
  • der Klarheit über das Wachleben,
  • der Klarheit der Wahrnehmung und
  • der Klarheit über das, was der Traum symbolisiert (vgl. Jung, 2001).

Dabei gibt es nach Tholey (1982a) verschiedene Techniken, um einen solchen Zustand zu erreichen: die Klarheit gewinnende Technik (KLG) und die Klarheit bewahrende Technik (KLB).

Die KLG beschrieb Tholey dabei wie folgt:

„Die Klarheit gewinnende Technik (…) ermöglicht, dass man während gewöhnlicher Träume zur Erkenntnis des Traumzustandes gelangt. (…) Je nachdem, ob man die Klarheit durch die Entwicklung einer kritisch-reflektierenden Einstellung, durch absichtsvolle Akte, durch suggestive oder hypnotische Verfahren erreichen will, kann man von einer Reflexions-, Intentions-, Suggestions- oder Hypnosetechnik zur Erzeugung von Klarträumen sprechen.“ (1982a, S. 1)

Bei der KLB wiederum konstatiert Tholey (1982a, S. 2) vor allem bei der Anfangsphase einen Unterschied. Hier geht es nicht darum, sich im Traum bewusst zu machen, dass man träumt, sondern mit eben jener Erkenntnis in den Traum zu gelangen:

„Die Klarheit bewahrende Technik (kurz: KLB-Technik) ermöglicht es, während des Einschlafens die Klarheit über den Bewusstseinszustand aufrechtzuerhalten und auf diese Weise einen hypnagogen (in den Schlaf führenden) Klartraum zu erzeugen.“ (Tholey, 1982a, S. 2)

Wenn man sich einen solchen Zustand nun vor Augen führt und dabei an die Theorien und Erkenntnisse Freuds (1900) und Jungs (2001) denkt, so sind die Implikationen, die eine solche Technik beherbergt, gravierend. Im Sinne Freuds würde das Klarträumen ermöglichen, sich unbewusster Triebe und Wünsche bewusst zu werden, die mitunter pathologische Auswirkungen haben können. Im Sinne Jungs wiederum würde ein Klartraum die Brücke zur Erkenntniserweiterung darstellen, sollte es gelingen, die Symbolik des Traumes zu entschlüsseln. Hinzu kommen die lerntheoretischen Facetten, die eine solche Technik mit sich bringt. Schließlich gilt der Schlaf als eine der wichtigsten Komponenten im Lernprozess des Menschen. Es wird angenommen, dass deklaratives Wissen, also Faktenwissen, in Tiefschlafphasen verankert wird, während prozedurales, also handlungsorientiertes Wissen und Emotionen während sogenannter REM-Phasen zur Verankerung finden (vgl. Diekelmann & Born, 2010; Vogt & Nissen, 2012). Das Bewusstsein über solche Prozesse, gepaart mit der Fähigkeit, sie aktiv zu gestalten, würde hierbei womöglich völlig neue Möglichkeiten erschließen.

Bildlich gesprochen würde das Meistern einer solchen Technik es dem Menschen ermöglichen, sich in eine Welt zu begeben wie sie Christopher Nolan auf die Kinoleinwand gezaubert hat, eine Traumwelt, die geprägt ist vom Unbewussten, von Symbolen und Wünschen; die individuell ist und eine Erkenntnis birgt, die sich im Wachzustand nicht erschließen lässt. Das Wissen darüber, ob es wirklich nur ein Traum ist, würde die Grenze des Bewussten neu definieren und demnach eine Bewusstseinserweiterung ermöglichen, die den Erkenntnis- und Wissensgewinn eines Menschen erheblich verändern würde – fraglich ist jedoch, ob dies ausschließlich positiv zu bewerten wäre.

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Diekelmann, S. & Born, J. (2010). The memory function of sleep. Nature Reviews Neuroscience, 11(2), 114-126.

Freud, S. (1900). Die Traumdeutung. Online verfügbar unter: https://archive.org/details/Freud_1900_Die_Traumdeutung_k [16.01.2018]

Gassmann, C. (undatiert). Paul Tholey und der Klartraum. Online verfügbar unter: http://traumring.info/tholey.html [16.01.2018]

Jung, C. G. (2001). Traum und Traumdeutung. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag.

Vogt, R. & Nissen, C. (2012). Lernen im Schlaf. Online verfügbar unter: https://www.dasgehirn.info/handeln/schlaf-und-traum/lernen-im-schlaf?gclid=CjwKCAiAqIHTBRAVEiwA6TgJw2gFaOanmgyWwFf4H_DgRp-bIG-KBgk14sktbMcr7EA-i75Ys9naUxoC9X8QAvD_BwE [16.01.2018]

Tholey, P. (1982a). Klarträumen – Wie geht das? Online verfügbar unter: http://gestalttheory.net/archive/tholeyklartraum.pdf [16.01.2018]

Tholey, P. (1982b). Wach’ ich oder träum’ ich? Online verfügbar unter: http://traumring.info/tholeywach.pdf

Sonnenschein im Winter

Es ist Winter und über Stadt wie Gemüt legt sich gleichermaßen ein Schleier an Kälte und dumpfer Melancholie. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Statt sich zuhause einzuschließen, die Decke über den Kopf zu ziehen und sich der müden Trägheit winterdepressiver Nebelschwaden hinzugeben, ergreifen Menschen wie Mirco aka Wochenendrebell die Initiative und versuchen, mit so schönen Ideen wie dem Sunshine Blogger Award für ein bisschen wohlige Wärme in fröstelnde Herzen zu bringen. Nun betrachte ich mich selber zwar keinesfalls als steten Quell der Freude, aber eine eine solche Nominierung zur Teilnahme lehne ich selbstverständlich nicht ab und werde auch meinerseits BloggerInnen nominieren, die mich auf ihre Art und Weise geprägt haben und denen ich es zutraue, selbiges für andere zu tun.

An dieser Stelle nochmal Danke an Mirco und eine unbedingte Leseempfehlung an alle, die seinen Blog oder sein Buch nicht kennen. Ein wunderbares Projekt und viele wunderbare Geschichten.

Kommen wir nun zu den Fragen:

1. Wer wäre Dein Wunschkanzler oder Deine Wunschkanzlerin?

Geht direkt kompliziert los. Ich bin kein Fan davon, analog zum US-amerikanischen Rechtssystem mehr in Personen als in Parteien zu denken und gleichzeitig bin ich zwar sehr aktiv in meiner eigenen politischen Perspektive und weiß, was mir wichtig ist und worauf ich Wert lege, aber ein Experte der politischen Landschaft bin ich dennoch nicht.

In der letzten Zeit, gerade im Anschluss an die Bundestagswahlen und im Zuge der diversen Diskussionsrunden ist mir allerdings Katrin Göring-Eckardt mehrfach positiv aufgefallen und ich bin sowohl von ihren inhaltlichen Beiträgen als auch von ihrem ruhigen, empathischen aber gleichzeitig souveränen Auftreten sehr angetan. Insofern wäre sie derzeit meine Wunschkanzlerin.

2. Welches Gesetz würdest du gerne weltweit erlassen?

Ähnlich schwierige Frage. Es gibt diverse Gesetze, die an dieser Stelle ihren Platz verdient hätten und ein Omni-Gesetz, das jeden Fall abdecken würde, kann ich mir nicht mal eben aus den Fingern saugen.

Wenn ich eines auswählen müsste, dann wäre es derzeit wohl ein Gesetz zum Schutz und zur Gleichberechtigung von Minderheiten jeglicher Art, quasi ein Gesetz gegen die Xenophobie. Ein Gesetz, das es Andersdenkenden ermöglichen soll, einen sicheren Platz in der Gesellschaft zu finden. Ein Gesetz, das die Werte verkörpert, die mir wichtig sind: Toleranz, Fairness, Respekt und Gleichberechtigung.

3. Dein schönster Ort der Welt?

Schöne Frage, bei der ich aber eher gegen den Sinn des Erfinders antworten werde. Ich bin leider (noch) kein nennenswerter Weltenbummler gewesen und mich einfach für Kroatien zu entscheiden, weil ich dort im Sommer einen, vor allem dank meiner wunderbaren Freunde, traumhaften Urlaub hatte, wäre mir zu einfach.

Also verzieh ich mich, ganz im Stile eines Psychologen, auf eine Meta-Ebene: Der schönste Ort der Welt ist für mich kein geographischer, im Externen liegender Ort. Der schönste Ort der Welt ist für mich ein Gedanke, genauer ein Gefühl: Das Gefühl, zu Hause zu sein. Denn das Gefühl, zu Hause zu sein, verkörpert ein Heimatgefühl, ein Gefühl der Sicherheit, Geborgenheit und Zufriedenheit. Zu wissen: Hier gehöre ich hin.

In einer Welt, in der Reisen einfacher denn je geworden ist, Städte und Länder sich verändern wie nie zuvor und durch soziale Netzwerke überall Kontakte geknüpft werden können, ist dieses Gefühl für mich wichtiger denn je. Denn ein einfaches „hier gehöre ich hin“ heißt auch: Ich bin hier willkommen. Für mich gibt es einen Platz.

4. Dein Drei-Gang-Menue für einen perfekten Abend?

Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr gerne koche. Wer mich kennt, weiß aber auch, dass ich lieber drei Portionen Hauptgericht esse als mich in verschiedenen Gängen aufzureiben. Dennoch, Stichwort Heimatgefühl: So schwer mir Weihnachten teils auch fällt, so wichtig sind mir unsere Traditionen und so großartig ist unsere familiäre Esskultur.

Der Abend beginnt also mit einer Variation aus gebratenen Jakobsmuscheln und Garnelen, zusammen mit Ziegenkäse im Speckmantel, dazu Salat mit rote Beete und grünem Spargel.

Es folgt traditionell die Weihnachtsgans, knusprig und zart im Ofen gegart mit liebevoll geköchelter Bratensauce, dazu selbstgemachter Rotkohl und Semmelknödel.

Zum Abschluss dann ein kleines Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern, dazu Vanilleeis und Puderzucker.

5. Was lässt dich schnell entspannen?

Fiese Frage. Nach außen hin wirke ich fast immer entspannt, es sei denn, es geht mir wirklich schlecht. Innerlich komme ich aber eigentlich nie wirklich zur Ruhe, meine Gedanken hören so gut wie nie auf, sich um verschiedenste Dinge zu kreisen und für mein ständig wackelndes Bein bin ich noch heute berühmt-berüchtigt.

Zur Entspannung gibt es für mich dennoch diverse Möglichkeiten: Schreiben, wenn ich meine Gedanken fokussieren will, Serien schauen, wenn ich ihnen entfliehen und in andere Welten eintauchen will, mich mit Freunden treffen, Sport treiben. Aber das Gefühl, meine Anspannung wirklich abladen zu können, habe ich selten. Wenn ich Gitarre spiele, komme ich dem aktuell aber am nächsten. Das gelingt nicht immer, aber immer häufiger. Die Klänge der Musik helfen mir, meine Gedanken zu bremsen und meine Gefühle in Balance zu bringen.

6. Lieblingsfilm?

Es gibt diverse gute Filme und einen echten Lieblingsfilm habe ich in all den Jahren für mich nie herausfiltern können. Wie auch bei der Musik ist meine Stimmung zum Zeitpunkt X einfach prägend für die Erlebnisse und unweigerlich damit verbunden.

Wenn ich einen Film aussuchen müsste, wäre es aber König der Löwen: Kindheit pur, bis ins letzte Detail liebevoll inszeniert, Disney in Perfektion

7. Welcher Sportler hat Dich charakterlich am meisten beeindruckt?

Da höre ich auf meinen ersten Impuls und sage: Roger Federer. Der Mann verkörpert für mich seit Jahren einfach eine nahezu einmalige Kombination aus Klasse, Stil und Menschlichkeit, die ich selbst als (höchtens) Gelegenheits-Tennisfan bewundernswert finde.

Ansonsten möchte ich bei einer solchen Frage noch auf Mertesacker und Subotic verweisen. Zwei wunderbare Menschen, die ihre Privilegien als Spitzensportler in der Blase Fußball nutzen, um weniger privilegierten Menschen etwas zurückzugeben.

Losgelöst von den anderen Personen und auf einer völlig anderen Ebene hat mich zudem Robert Enke geprägt wie kaum jemand sonst. Warum, habe ich hier ausführlich beschrieben.

8. Welche Frage sollte ich Dir stellen um eine möglichst spannende Antwort zu bekommen?

Das habe ich gestern meine beste Freundin gefragt. Ihre Antwort: Puh, da gibts viele. Schönes Kompliment, machts an dieser Stelle aber nicht einfacher. Mein bisheriger Lebensweg, meine Erfahrung mit psychischen Problemen, eine Skizze meiner fortlaufend umherhüpfenden, teils ausufernden Gedanken: Die Antwort wäre sicherlich jeweils spannend, würde aber den Umfang einzelner Blogbeiträge vollkommen sprengen. Daher entscheide ich mich mal für Folgendes:

Was wünschst du dir im Leben?

9. Wie lautet die Antwort auf diese Frage?

Ich wünsche mir, eines Tages glücklich und zufrieden sein. Ich möchte das Gefühl haben, meinen Platz gefunden zu haben und ich möchte, dass es sich richtig anfühlt. Bis heute habe ich es nie geschafft, ein konsistentes Gefühl der Glückseligkeit zu entwickeln und genau das ist es, was ich im Leben suche. Alles, was mich antreibt, ist mein persönliches Streben nach Glück, begleitet vom Anspruch, die beste Version meiner selbst zu sein. Das gleitet zwar teils ins übermäßig Selbstkritische ab, aber in den letzten Jahren habe ich zunehmend gemerkt und gelernt, was mir im Leben wichtig ist. Ich habe gelernt, echte Freunde kennen und schätzen zu lernen und ich habe gelernt, es zu genießen, für sie da zu sein. Ich habe gelernt, in meinem persönlichen Streben nach Glück einen zarten Altruismus zu entwickeln, der mir den Anspruch verleiht, meinem Umfeld gut zu tun. Ich habe viel über mich selbst gelernt, über meine Werte und Ideale, habe gemerkt, dass der vermeintliche Pragmatismus, den ich mir selbst gerne zuschreibe, im Endeffekt auch nur ein verklausulierter Idealismus in meinem Wunsch nach einer Welt ist, die mir das Gefühl gibt, mich wohlfühlen zu können und zu dürfen.

Was ich mir also im Leben wünsche ist gleichermaßen banal wie komplex: Ich möchte für Menschen da sein, ich möchte loyal und zuverlässig sein, ich möchte helfen und lieben dürfen und möchte das Gefühl haben, wichtig zu sein und einen positiven Eindruck zu hinterlassen bei den Menschen, denen ich begegne.

Vereinfacht ausgedrückt: Ich möchte in den Spiegel schauen können und ein Lächeln sehen und ich möchte das Gefühl haben, dieses Lächeln zu verdienen.

10. Würdest du gerne in einem anderen Land leben? In welchem und warum?

Dauerhaft? Nein. Ich bin Bremer durch und durch und bei allen (liebenswerten!) Macken, die diese Stadt auch hat: Bremen ist meine Heimat und ich bin gerne hier. Es könnte sonniger sein, klar, aber Bremen ist meine Heimat und Bremen liegt nun mal in Deutschland. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man es in Deutschland, in Summe, doch ziemlich gut hat.

11. Welches Land würdest du gerne einmal intensiver bereisen?

Mehrere. Grundsätzlich gilt: Mich reizen Landschaften mehr als Städte und Natur mehr als der Mensch. Neuseeland mag zwar abgedroschen klingen, aber reizt mich bis heute. Ansonsten steht Island sehr weit oben auf meiner Liste.

12. Dein erstes Live-Fußballspiel im Stadion?

Werder gegen Mainz, 2007. Werder gewann 2:0, Tore durch Vranjes (Fußballgott!) und Diego.

13. Größter Sportler aller Zeiten aus rein sportlicher Sicht?

Furchtbare Debatte, meiner Meinung nach. Es gab viele großartige Sportler, gibt viele und wird noch viele geben. Mein Wissen in Bezug auf andere Sportarten ist zudem begrenzt und selbst im Fußball ist es mir nicht möglich, ein umfassendes Urteil zu fällen.

Dennoch: Was Messi leistet, ist meiner Meinung nach sportlich absurd.

14. Welche Erfindung sehnst du herbei?

Jede Erfindung hätte ihre Kehrseiten, eine „Glücklich-Pille“ wurde mir von meiner besten Freundin gestern madig gemacht, insofern: Jump, David, jump!

Teleportation hätte was.

15. Welcher Song hat dich zuletzt berührt?

Da er mir ziemlich aus der Seele spricht: Vielleicht von Prinz Pi.

 

Das wars dann erstmal von mir, spannend wars.

Meine Nominierungen:

Ich merke gerade, dass ich zu wenige Blogs verfolge. Zumindest zu wenige persönliche. Dennoch: Ich nominiere Justin und Felix (wer?) vom Miasanrot Blog, weil sie über verschiedenste Themenbereiche hinweg eine absolute Bereicherung für meine sozialen Medien darstellen und auch abseits des Fußballs viel zu bieten haben.

Außerdem nominiere ich Antonia, weil sie definitiv bloggen sollte, zweifellos die reflektierteste 19-Jährige aller Zeiten ist und ein bisschen Sonnenschein verdient hat.

Hier eure Fragen:

  1. Wieso seid ihr bei Twitter?
  2. Wie sieht euer perfekter Tag aus?
  3. Welche Person von Twitter würdet ihr gerne mal persönlich treffen und warum?
  4. Welche Bedeutung hat das Schreiben für euch?
  5. Wie ist eure Einstellung zur Religion?
  6. Was hat euch im Leben am meisten geprägt?
  7. Welchen Stellenwert nimmt Musik für euch ein?
  8. Was ist euer größtes Ziel im Leben?
  9. Habt ihr eine Bucket List? Falls ja: Nennt bitte drei Punkte und beschreibt sie.
  10. Was bringt euch am meisten zur Verzweiflung und was bereitet euch die größte Freude?
  11. Wenn ihr morgen aufwachen würdet und alles, was euch belastet oder belasten könnte, wäre wie von Zauberhand verschwunden: Woran würdet ihr es merken?
  12. Angenommen, ihr dürftet einer Person eurer Wahl jede Frage stellen und sie müsste ehrlich antworten: Welche Person würdet ihr wählen?
  13. Was wäre die Frage?
  14. Welche Frage sollte man euch stellen, um eine möglichst spannende Antwort zu erhalten?
  15. Welche Superkraft würdet ihr haben wollen?

Lieber Joey,

du bist ein Versager. Du bist wertlos, unfähig und allein und das wird sich nie ändern.

Lieber Joey,

hör nicht auf dich. Hör nicht auf das, was die Stimme in deinem Inneren dir sagt, wenn es still wird. Wenn du dich hinlegst und das elektrische Summen der Lichter dem nagenden Kratzen der Zweifel in deinen Gedanken weicht. Vertrau nicht der gehässig grinsenden Grimasse im Spiegel, die dir sagt wie hässlich du bist. Vergiss nicht wie stark du bist. Schäm dich nicht dafür, weinen zu wollen. Fühlen zu wollen. Schäm dich nicht vor dir selbst. Für dich selbst. Ich weiß, es ist schwer. Ich weiß, du fühlst dich hilflos. Ich weiß, du willst aufgeben. Nicht nur heute. Nicht nur morgen. Immer wieder. Aber du wirst nicht aufgeben. Du wirst weitermachen.

Lieber Joey,

du bist gerade 18 und zum ersten Mal in deinem Leben hast du eine dieser Phasen überwunden, von denen du noch mehrfach denken wirst, dass du sie ein zweites Mal nicht würdest überwinden können. Du hast es geschafft, das erdrückende Gefühl von Taubheit und Verzweiflung vertreiben zu können. Du hast es geschafft. Dachtest du. Doch das hattest du nicht. Nicht heute. Nicht morgen.

Das Studium, das du angefangen hast, das für dich den Start in ein neues Leben bedeutet und das dir das Gefühl gibt, endlich einen Platz in dieser Welt gefunden zu haben, wird dich noch zweifeln lassen. Es wird dir gefallen, es wird dir Freude bereiten – und es wird dich frustrieren. Weil du merken wirst, dass dieses Gefühl in dir bleibt. Dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt.

Die Menschen, die du getroffen hast, die dir das Gefühl einer neuen Chance geben, werden dich verletzen. Weil du, unbewusst, verletzt werden willst. Weil du den Glauben daran, „richtig“ zu sein, bereits verloren hast. Weil du der Stimme in deinem Inneren zugehört hast. Weil du der Grimasse in deinem Spiegel geglaubt hast und weil du angefangen hast, dich vor dir selbst, für dich selbst, zu schämen.

Lieber Joey,

du wirst hassen. Deine Freunde, deine Familie, vor allem aber dich selbst. Dafür, dass du sie hast. Obwohl du weißt, dass sie es nicht verdient haben. Du wirst dich dafür verachten, die Kontrolle zu verlieren. Du wirst um dich beißen wie ein in die Enge getriebenes Raubtier und du wirst denken, dass diese Enge dein eigenes Verschulden ist. Du wirst hoffen, in dieser Enge zu verenden.

Du wirst dich einsam fühlen. Einsamer denn je.

Du wirst fallen.

Tiefer.

Immer tiefer.

 

 

Lieber Joey,

du wirst aufstehen. Du wirst in den Spiegel blicken und der gehässigen Grimasse das Grinsen stehlen. Du wirst das nagende Kratzen der Zweifel in deinen Gedanken verstummen lassen und du wirst lernen, zu lieben. Deine Familie. Deine Freunde.

Lieber Joey,

Du wirst weinen. Du wirst weinen, weil die verloren geglaubten Gefühle wiederkommen, wenn deine Freunde dich verlassen. Du wirst spüren, wie wichtig sie dir geworden sind. Du wirst wütend auf sie sein und dankbar zugleich. Du wirst sie dafür lieben, was sie dir geschenkt haben und dafür hassen, was sie dir nehmen.

Du wirst schreien, weil die zweifelnde Stimme aus deinem Inneren zu deiner geworden ist. Du wirst fluchen, weil die Grimasse aus deinem Spiegel sich in dein Gedächtnis eingebrannt hat.

Du wirst aufgeben wollen. Du wirst dich hilflos fühlen. Wertlos. Du wirst denken, allein zu sein.

Doch zwischen dem Orchester der Zweifel, das in deinem Inneren tobt, wirst du die Fidel der Hoffnung hören. Im Schimmer der mit Argwohn durchzogenen Augen deiner Selbst wirst du Licht sehen.

Lieber Joey,

du bist nicht allein. Diese Menschen, die über all die Jahre zu deinen Freunden geworden sind, werden bleiben. Nicht in deiner Stadt, aber in deinen Gedanken.

Du wirst mit ihnen in den Urlaub fahren und es wird der schönste Urlaub deines Lebens werden. Nicht wegen der wunderschönen Landschaft, die das beeindruckende, kraftvolle Panorama der Bergmassen mit dem hypnotischen Rauschen der Wellen verbindet. Nicht wegen der wohligen Wärme des Sandes zwischen deinen Zehen, dem Sog des glasklaren Wassers an deinen Knöcheln oder dem Gefühl der erfrischenden Hitze der von duftenden Brisen begleiteten Sonnenstrahlen auf deiner Haut. Sondern ihretwegen. Weil sie dir auch Jahre später vor Augen führen, dass deine Entscheidungen, die dich so viel Schmerz, so viel Überwindung und so viele Zweifel gekostet haben, die Entscheidungen, die du bereut und bejammert hast, die du rückgängig machen wolltest und für die du so lange gebraucht hast, um sie zu akzeptieren und zu respektieren, richtig waren. Weil sie dir zeigen, dass sich alles gelohnt hat. Weil sie dir das Gefühl geben, angekommen zu sein in einer Welt, die nie so wirklich deine war. Die es auch heute noch nicht ist und in der du dennoch das Gefühl hast, ein Zuhause gefunden zu haben, solange du weißt, dass sie da sind.

Lieber Joey,

du bist gerade 23. Du schreibst diesen Text, weil es dir hilft. Du schreibst diesen Text, weil du dachtest, dass du nichts mehr zu sagen hättest. Weil du dachtest, dass es dir mittlerweile gut gehen müsse. Immer.

Lieber Joey,

du bist ein Idiot – und das weißt du. Du weißt es und du lächelst, weil du lernst. Du lernst, der Stimme nicht immer zuzuhören und die Grimasse als das zu sehen, was sie ist: Eine Grimasse. Eine groteske Verzerrung der Realität.

Lieber Joey,

du hast viel erreicht. Mehr als du dir vor Jahren erträumt hättest.

Lieber Joey,

du bist kein Versager. Du bist nicht wertlos. Du bist nicht unfähig – und du bist alles, aber auf keinen Fall allein.

A decaying mind

Amongst the midst of dark decay,
his mind shall fight his bitter soul.
He cannot find his inner fay
and slowly loses his control.

No matter where he runs or hides,
he just can’t seem to find the light.
Although as long his mind abides,
his broken self might stay alright.

He doesn’t know which way to move,
which dreaded path he is to take.
As long as darkness keeps its hoof,
he might as well just choose a stake.

Am I alive to face my death,
is she supposed to take my breath,
Am I just here to watch her reap,
the bitter sorrow I had heaped?

I shall not give it up like this,
I will still fight my inner self.
There is no battle just like this,
There’s no one darker than myself.

The brightest light there’ll ever be,
Is one I’ll never really see.
I’ve found it here inside my mind,
in darkness, maybe, just behind.

Remember now, my bitter soul,
my mind will never stop to fight,
There’ll always be that frightening hole,
Be honest if you’re not alright.

You’re not alone, not here, not now,
Your friends, your family await to show.
Keep that in mind, my dearest friend and don’t you ever lose your hope.

O, du fröhliche…

O du fröhliche,

O du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht die Einsamkeit vor meiner Tür.

Als Kind habe ich Weihnachten geliebt. Weihnachten, das Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Das Fest des trauten Zusammenseins, geprägt von Nächstenliebe und harmonischem Miteinander. Der Duft der Gans im Ofen, das romantische Knistern des Kamins, die Magie der Geschenke unter dem liebevoll geschmückten, festlich glitzernden Weihnachtsbaum.
Schon Ende November konnte ich vor Aufregung kaum noch schlafen, weil allein der Gedanke an das erste Türchen meines Adventskalenders und die vielen Türchen, die auf jenes folgen würden, ein unwiderstehliches Kribbeln durch meinen Körper jagten.
Der Anblick einer einzigen Schneeflocke reichte, um in mir den Traum der weißen Weihnacht‘ zu wecken, die Vorstellung eines idyllischen Schneemannes in Mitten unseres Gartens. Der Heiligabend war der schönste Tag des Jahres. Nahezu ohne Schlaf und doch voller Energie ging es für meine Schwester und mich tagsüber zu unserer Großmutter. Aristocats, König der Löwen – das sich auf ewig einbrennende Beiwerk der magischen, sich wie Tage anfühlenden Stunden, während derer meine Eltern den Baum schmückten und die Geschenke platzierten.
Kaum zu Hause ging es ohne einen Blick auf den Baum nach oben ins Zimmer, galt es doch, die letzten Vorbereitungen bloß nicht mitzubekommen. An der Treppe sitzend wartete ich das Klingeln der Glocke, das den Startschuss der Feierlichkeiten bedeutete.
Sprachlos im Angesicht des Weihnachtsbaumes, ekstatisch im Auspacken der Geschenke. Nur äußerst selten gelang der Plan meiner Eltern, die Bescherung im Anschluss an das Weihnachtsessen zu zelebrieren. Klein Joey, seines Zeichens seit jeher ein Gourmet, konnte vor lauter Aufregung ohnehin nichts essen.

Heute ist Weihnachten für mich der Spiegel meiner Sehnsüchte und Ängste.
Schon lange ist die kindliche Ekstase der Ernüchterung gewichen.
Schlaflosigkeit im November? Wie in jedem Monat des Jahres.
Gedanken an den Adventskalender? Geprägt von Nostalgie hinsichtlich der Freude vergangener Tage und der heutigen Belanglosigkeit.
Auch heute noch gehört das gemeinsame Kaufen des Baumes für mich ebenso zu Weihnachten wie die duftende Gans, das Knistern des Kamins und die Geschenke unter dem liebevoll geschmückten Baum. Allein: Es fehlt die Magie.
Das ist prinzipiell nicht weiter verwunderlich, behält doch kaum eines der kindlichen Wunder über die Jahre hinweg seinen gesamten Zauber.
Doch das Problem ist ein anderes.
Nicht das Fehlen der Magie ist es, das mich belastet, es ist das Gefühl der Einsamkeit, das mich ausgerechnet dort überkommt, wo Liebe und Besinnlichkeit sich die Hand reichen.
Ich bin nicht allein, nein. Schon gar nicht mehr seit dem September letzten Jahres, der für mich im Kampf mit meinen Dämonen den vorläufigen Wendepunkt markierte.

Doch ich bin einsam.

Gefangen in meinem Strudel der Gedanken, der mal schwächer und mal stärker an meiner Vernunft zerrt. Der nur darauf lauert, einen Moment der Schwäche ausnutzen und mich überwältigen zu können. Nie ist dieser Sog meiner Dämonen stärker als zu jener Zeit, die mir vor Augen führt, was ich verloren habe.
Weihnachten war meine schönste Zeit des Jahres. Mein Epitom der kindlichen Freude, der Unbeschwertheit.
Es ist die Verkörperung meiner Sehnsucht, wieder so genießen und leben zu können wie früher.
Es ist die Verkörperung der Angst, meine Sehnsucht für immer in einem Traum gefangen zu sehen.

O du fröhliche,

O du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit.

 

Menschen welcome

Schluss. Heute um 18:00 Uhr endete meine letzte Schicht in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Bremen. Ab jetzt greift mein Resturlaub, ehe mein Vertrag zum 30.09. offiziell endet und ich mich zum Oktober wieder an die Uni begebe. Damit endet sowohl mein erstes echtes Arbeitsverhältnis nach vorherigen Jahren stringenter Berufsausbildung bis zum Bachelor, als auch eine ereignisreiche, lehrreiche und vor allem schöne Zeit.
Die nahezu rundum wundervollen Erinnerungen an meinen Einstieg ins Berufsleben habe ich dabei vor allem einem fantastischen Arbeitsumfeld zu verdanken. Bessere Kollegen und Kolleginnen kann man sich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, kaum wünschen. Die Atmosphäre war nicht nur freundschaftlich, sondern fast schon familiär und das trotz diverser Unterschiede was Herkunft, Geschlecht und Alter angeht. Es wurde nicht nur gearbeitet, sondern auch gescherzt, gelacht und abseits des Arbeitsalltags gekocht, getrunken und geschnackt.

Es waren allerdings nicht nur die Kollegen und Kolleginnen, die dafür gesorgt haben, dass ich gerne auf die vergangenen Monate zurückblicken werde. Anfangs, das gebe ich offen zu, war ich skeptisch. Nicht ängstlich und auch nicht besorgt, sondern reserviert, unsicher und skeptisch. Ich, der 21-jährige, trotz Studikredits gut situierte Deutsche, der sich zwar als weltoffen und tolerant ansah aber dennoch kaum bis gar keine Berührungspunkte mit anderen Kulturen oder gar Flüchtlingen vorweisen konnte, sollte nun also mit eben jenen arbeiten.
Ich, der im Viertel wohnte und die Vorteile anderer Kulturen genoss aber sich selten mit ihnen auseinandersetzen musste.
Ich, der bei Berichten über Flüchtlinge die mangelnde Akzeptanz, Toleranz und Hilfsbereitschaft rügte, mich aber nicht mal zu einem Deutschkurs für Flüchtlinge an der Uni aufraffen konnte.
Ich, der monatelang zuvor vor sich hin vegetiert war und mehr durch Zufall als durch Hilfsbestreben in diesen Job gerutscht war.

Ich war skeptisch, unsicher und reserviert. Ich wusste nicht, ob dieser Job für mich richtig war. Und vor allem: Ob ich der Richtige für diesen Job war. Ich, der sich schwer tat, auf Menschen zuzugehen.

Schon wenige Tage, spätestens ein, zwei Wochen später waren sämtliche Zweifel, waren sämtliche Skepsis und Unsicherheit irrelevant. So mulmig mir beim Betreten dieser Turnhalle, bewacht von Security und bewohnt von Menschen diverser Kulturen in nicht mehr als Zimmern aus Holzwänden war, beim ersten Mal war, so sehr waren diese Menschen schon wenig später ein Teil von mir. Diese Menschen, die Armbänder mit Nummern trugen, um sie beim Essen und bei der Vergabe von Post anhand ihrer Registrierungsnummern und der Belegungsliste das richtige Zimmer zuordnen zu können. Diese Menschen, die auf der Flucht waren und Zuflucht fanden – in einer Turnhalle. Konfrontiert mit sich selbst und ihrem Elend, mit nicht viel mehr als ein paar Holzwänden, einem bedrückenden Minimum an Privatsphäre, nahezu vollkommen auf sich allein gestellt. In einem fremden Land, einer fremden Kultur.

Ein paar weitere Wochen später waren diese Menschen keine Nummern mehr, sondern Namen und es wurde nichts mehr auf die Briefe geschrieben, sondern sie wurden verteilt. Es wurde gesprochen. Auf Deutsch, auf Englisch, mit Händen und Füßen oder mit jemandem, der die Muttersprache konnte, als Übersetzer/in.

Als dann die ersten großen, gelben Umschläge mit Anerkennungen eintrafen, wurde sich bereits umarmt, zusammen gefreut und gefeiert. Weil diese großen, gelben Umschläge viel mehr waren als nur ein Stück Post. Sie waren die Chance auf einen Neuanfang.

Heute, mehrere Monate später, hat diese Chance auf einen Neuanfang bereits an Bedeutung verloren. Weil klar geworden ist, dass ein Stück Papier, das einem die Anerkennung als Flüchtling ausstellt, keine Anerkennung darstellt. Weil ein Flüchtling ein Flüchtling bleibt – und viele Menschen nicht nur skeptisch, reserviert und unsicher sind, sondern „besorgt“.
Diese Chance auf einen Neuanfang ist auf vielen Ebenen nur Makulatur. Eine leere Phrase, das „alles raushauen“ unter den humanitären Handlungen. Was bringt es einem Menschen, dessen Optimum irgendwo zwischen einem Platz in einem Übergangswohnheim (ÜWH) in einem Brennpunktstadtteil oder einer Wohnung in einem eben solchen besteht, ein „anerkannter“ Flüchtling zu sein?
Klar, er darf nun Leistungen vom Jobcenter beziehen. Er darf für 1-3 Jahre in Deutschland bleiben, arbeiten und sich einen Wohnsitz zulegen. Er darf, theoretisch, Familiennachzug beantragen. Praktisch wiederum kriegt er Leistungen vom Jobcenter, darf, unabhängig von Familie oder Verwandten, nur vorbehaltlich erheblicher finanzieller Aufwendungen seinen Wohnsitz in ein anderes Bundesland verlegen und der Familiennachzug dauert in der Realität auch mindestens 9 Monate, wenn nicht sogar 1 Jahr.

Überhaupt ist das mit dem Wohnsitz so eine Sache. Da passt ein hervorragend Englisch sprechender junger Syrer, der Deutsch lernt und sein Architekturstudium fortsetzen will, nicht „zu den Vorstellungen des Eigentümers“. Afghanen wiederum brauchen es bei Wohnungsagenturen gar nicht erst versuchen – vermietet wird erst bei einer Aufenthaltsgestattung von einem Jahr. Die wiederum werden nicht ausgestellt, vor allem nicht an jene, die aus einem (ach so) sicheren Herkunftsland kommen. Zum Glück gibt es hier Ausnahmen, in den meisten Fällen sind die Chancen auf eine eigene Wohnung jedoch verschwindend gering. Wohlgemerkt trotz staatlicher Anreize, seinen Wohnraum (auch) an Flüchtlinge zu vermieten.

Doch die Wohnbedingungen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Schließlich geht es diesen Menschen gut. Sie haben ein Dach über ihrem Kopf – na gut, überwiegend sind oder waren das Turnhallen-, Zelt- oder Fabrikdächer aber immerhin, es ist ein Dach. Auch das Essen kriegen sie gestellt. In vielen Unterkünften entspricht das zwar der ungewürzten Weichkost, die schlecht versorgten Senioren vorgesetzt wird, doch wir sind eben in Deutschland und da gibt es deutsche Kost. Gekocht werden darf wegen der Brandgefahr selbstverständlich nur in Übergangswohnheimen. Die haben zwar bislang nur Ressourcen für einen verschwindend geringen Anteil an Flüchtlingen, doch das macht nichts, schließlich ist die letzte Flüchtlingswelle erst ein Jahr her und momentan ertrinken die ja zum Glück wieder im Mittelmeer oder werden an den Grenzen festgehalten. Kein Grund zur Eile also.
Außerdem sollen die sich mal nicht so anstellen, sie kriegen schließlich Hygieneartikel gest.. Moment, nein, das wurde gestrichen. Dafür kriegen sie 145€ Ta.. Entschuldigung, 135€ Taschengeld, es wurde gekürzt.
135€ Taschengeld sind doch viel Geld, das muss reichen. Schließlich haben sie alle drei Monate einen Anspruch auf 100€ Bekleidungsgeld, das reicht für Unterwäsche, Socken, Schuhe, Hosen, Shirts, Pullis, Jacken und alles was man so braucht. Der Rest kann dann für Fahrkarten, Shampoo, Rasierer, Rasierschaum, Zahnpasta, Zahnbürsten, Deo, Parfüm und einen Handyvertrag auf den Kopf gehauen werden. Die Unterstützung für Sportangebote streichen wir, die braucht keiner. Außerdem reicht das Taschengeld dafür ohnehin und Freizeitangebote werden überbewertet, die sollen erstmal Deutsch lernen. Also die Iraker, Syrer, Iraner und Eriträer. Andere Nationen können sich gefälligst selbst um ihre Integration kümmern, wir haben hier schließlich nichts zu verschenken und an der Situation in Afghanistan – was ist da eigentlich? Ist doch sicher – sind wir sowieso unschuldig.

Doch genug des Rants. Das Problem sind nicht die staatlichen Hindernisse, mit denen diese Menschen sich konfrontiert sehen. Eine Integration mit mehr Aktivität, mehr Inklusion wäre zwar meines Erachtens deutlich sinnvoller – für alle(!) Beteiligten – doch darum geht es mir hier eigentlich nicht. Mir geht es um die Menschen.

Mir geht es um die besorgten Bürger, die sich entweder in ihrem Wohlstand oder ihrer Unwissenheit suhlen und für die es zu viel Aufwand ist, sich aus ihrer Komfortzone zu bewegen. Mir geht es um all jene, die Unterkünfte anzünden oder einfach nur gegen Andersdenkende hetzen wollen. Ihr, die ihr auf die Straße, um eure vermeintliche Besorgnis zum Ausdruck zu bringen, ohne euch nur ein Stück auf die, denen es beschissen geht, zuzubewegen. Ihr, die ihr entweder von diesem sicheren Staat als Arbeitende/r oder Sozialhilfempfänger/in profitiert. Ihr, die ihr in niederträchtigen, hetzerischen und propagandierenden Boulevardmedien nach Projektionsflächen für euren Unmut, euren Hass sucht.
Ihr, die ihr nichts verstanden habt.

Es geht hier um Menschen. Nicht um Syrer, Iraker, Afghanen und wo sie alle herkommen. Um Menschen. Menschen wie euch, Menschen wie mich. Menschen, die Hilfe brauchen. Menschen, unter denen es selbstverständlich, wie überall, Arschlöcher gibt.
Aber eben auch viele, zahlreiche Menschen, die mir in diesen vergangenen Monaten ans Herz gewachsen sind. Weil sie berührende Geschichten haben, weil sie dankbar für so wenig sind, weil sie in ihrer Armut das winzige Bisschen was sie haben noch mit einem teilen würden.
Diese Menschen, die mir wie selbstverständlich Tee machten als ich hustend mit Schal zur Arbeit kam, die uns als Team umarmten und küssten, wenn sie verlegt wurden, die Freude strahlend Fotos mit einem machten, um ein Andenken zu haben, die einem Geschenke machten, einem Dankes-E-Mails schrieben und trotz dieser wahnwitzigen Umstände immer Haltung und Anstand bewahrt haben.
Danke dafür. Danke an all jene, die dafür gesorgt haben, dass sich der verunsicherte, skeptische und reservierte 21-jährige in den vergangenen Monaten überwinden konnte.

Diese Zeit hat mich, auch wenn sie im Endeffekt vergleichsweise kurz war, nachhaltig geprägt. Ich bin sicherer geworden, aufgeschlossener und reifer. Weil ich mich aus meiner Komfortzone bewegt habe und weil ich in diesen Menschen, die teils nach Monaten der Inaktivität unter schwersten Bedingungen in sich zerfallen sind auch mich gesehen habe. Mich, wie ich in den Monaten nach meinem Bachelorabschluss immer tiefer in mir versackt bin. Trotz meiner Familie, trotz meiner Freunde, trotz der gewohnten Kultur.

Integration ist nichts, was man gerichtlich beschließen kann. Menschen werden nicht integriert, in dem sie zu Deutsch- oder Integrationskursen gehen und in Stadtteile verfrachten werden, in denen eine sozial-gesellschaftliche Diversität kaum gegeben ist. Integration muss von beiden Seiten ausgehen – von Mensch zu Mensch, von Kultur zu Kultur. Weil wir eben nicht besser, sondern einfach nur anders sind und weil Besorgnis, Skepsis und Zweifel verständlich und nachvollziehbar aber kein Grund für Ablehnung und Hass sind.

Eine Willkommenskultur entsteht nicht durch Slogans oder Gesetze, sondern durch eine Haltung. Eine Haltung, die von Menschlichkeit geprägt ist, von Hilfsbereitschaft und Toleranz. Eine Haltung, die es anderen erlaubt, sich und ihre Kulturen ebenso im Austausch mit anderen zu sehen, zu erleben und zu reflektieren, wie wir es können – und die sie nicht zu unterdrücken versucht.

Refugees welcome – Menschen welcome 

Arséne knew

Arséne knows, hieß es früher. Mittlerweile steht Wenger mehr denn je in der Kritik und obgleich es einfach wäre, ihn anhand taktischer Elemente zu kritisieren, so fokussiert sich der Unmut der Anhänger häufig auf Arsénals Gebahren auf dem Transfermarkt. Nachdem man diesen Sommer durch den frühen Xhaka-Transfer die Hoffnungen der Anhänger geschürt hat, kam anschließend lange Zeit.. nichts. Dann Takuma Asano und Rob Holding. Keine Namen, die bei den erfolgshungrigen und impulsiven Arsenal Fans für Euphorie sorgen konnten. Dass man anschließend mit Stürmern wie Griezmann, Higuain und Icardi sowie lange Zeit Lacazette in Verbindung gebracht wurde und sich von Vardy einen Korb geholt hat, trug ebenfalls nicht zu einem beruhigten Klima bei.
Kurz vor Transferschluss konnte man mit Lucas Pérez und Skhodran Mustafi immerhin einen vielversprechenden Stürmer – wenn auch nicht den gefordert „Weltklassestürmer“ – sowie den gewünschten und benötigten Innenverteidiger verpflichten.

Wichtiger als Arsenals Fortschritte auf dem Transfermarkt sind allerdings die Fortschritte auf dem Platz, denn dort konnte man zu Saisonbeginn gegen Liverpool, Leicester und auch Watford wieder einige Probleme erkennen. Wie mittlerweile typisch für Wengers Team, ist Arsenal von einer gewissen Strukturlosigkeit durchzogen. Das Spiel wirkt oft improvisiert, unausgegoren und unüberlegt. In guten Momenten wirkt Arsenal so dynamisch, kreativ und torgefährlich wie wenige Teams in der Premier League, in schlechten Momenten allerdings so plan- und ratlos wie ein Mittelklasseteam. Für ein Team mit dem Anspruch, um die Meisterschaft mitzuspielen, fehlt es allein über 90 Minuten an Konstanz und Konsistenz. Dies spiegelt sich sowohl im Angriffsspiel wider als auch im Defensivverhalten. Besonders Arsenals Positionsspiel sowie das Verhalten gegen den Ball offenbaren dabei teils eklatante Defizite. Es gelingt Arsenal zu selten, in die Räume zwischen den Linien zu kommen und den Gegner nicht nur in die eigene Hälfte zu drücken, sondern dort auch unter Druck zu setzen und ihn zu Fehlern zu zwingen. Als Resultat ist Arsenal oft in Ballbesitz und hält den Gegner weit vom eigenen Tor weg, kommt aber nur selten zu vielversprechenden Abschlüssen, verliert sich in zu kleinteiligen Kombinationen, greift zu Flanken oder verliert im Angriffsverlauf den Ball- oder man scheitert an sich selbst und der eigenen Chancenverwertung. Durch die Kombination mit Arsenals oft etwas übermotiviert und unkoordiniert anmutendem Gegenpressing gerät man dadurch häufig in Kontersituationen, in denen Arsenals Abwehr sich Unterzahlsituationen ausgesetzt sieht.

Gegen den Ball sind die Probleme ähnlich. Im Pressing ist Arsenal mittlerweile zwar engagiert, allerdings fehlt auch hier oft die Struktur. Mit Özil, Giroud und Alexis hat man zwar mehrere Spieler, die im Pressing Kommandos geben (können), dem Pressing als Team mangelt es jedoch an Absicherung, wodurch man zu oft überspielt wird und dem Gegner dadurch Räume öffnet. Diese wiederum werden unzureichend besetzt, weil es an klaren Defensivstrategien mangelt. Einerseits scheint es der Plan zu sein, den Gegner auf die Flügel zu lenken. Andererseits konterkariert man dies, indem man den Gegner oft in den Rücken der Außenverteidiger kommen lässt und die Halbräume nicht konsequent genug verteidigt, wodurch der Gegner nicht mehr auf Flanken angewiesen ist, sondern sich unmittelbar vor oder in den Strafraum kombinieren kann. Dort wiederum agiert Arsenal oft zu zögerlich und/oder zu plump, wodurch man dem Gegner entweder Freistöße schenkt oder ihn unnötig zum Abschluss kommen lässt.

Angesichts dieser Defizite erscheint Arsenals Aktivität auf dem Transfermarkt sinniger als es auf den ersten Blick erscheint. Mit Lucas Pérez – den ich leider nur anhand von Videos, Statistiken und Hörensagen einschätzen kann – kam ein dynamischer und spielstarker Stürmer, der sich nicht nur durch seine Tore, sondern auch durch Vorlagen und das Kreieren von Chancen ausgezeichnet hat. Angesichts von Arsenals Problemen, in die Zwischenräume zu kommen, könnte ein umtriebiger und beweglicher Stürmer, der sich der Deckung des Gegners entziehen und mit seinem Mitspielern kombinieren sowie sie in Szene setzen kann, hier für Fortschritte sorgen.
Zusätzlich dazu könnte Pérez wohl auch auf dem Flügel agieren und von dort aus für Torgefahr sorgen. Mit Alexis, der auch auf rechts agieren kann sowie Walcott und OxCham sind die Optionen hier begrenzt und überwiegend nur bedingt überzeugend, zumal sowohl Walcott als auch OxCham sehr verletzungsanfällig sind.

Mustafi wiederum ist als Verteidiger relativ komplett und zwar weit von der Aufbaustärke eines Hummels oder Boateng entfernt, dafür aber gut im Antizipieren und Abfangen von Spielzügen des Gegners. Seine Stärke bei Interceptions dürfte dem konteranfälligen Spiel Arsenals entgegenkommen. Von Vorteil ist auch, dass er schneller als Mertesacker, kopfballstärker als Chambers und deutlich ruhiger und weniger fehleranfällig ist als Holding oder Gabriel.
Insgesamt dürfte sein eher defensives Spiel gut zum offensiveren Koscielny passen.

Der wohl wichtigste Neuzugang dürfte jedoch Granit Xhaka sein. Mit ihm hat Arsenal zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einen klaren defensiven Mittelfeldspieler, der sowohl Physis und Härte als auch spielerische Klasse ins Mittelfeld bringt. Sein Bestreben, den Ball zu fordern und zu verteilen tut Arsenal sichtbar gut. Im Gegensatz zu Coquelin, der rein auf seine Arbeit gegen den Ball limitiert ist und dabei Probleme im Stellungsspiel offenbart, ist Xhaka sowohl defensiv beschlagen als auch eine Verstärkung im Aufbauspiel. Seine Übersicht und Technik sind gut und neben seinen Qualitäten im vertikalen Passspiel sind es vorallem seine Seitenverlagerungen, die Arsenal voranbringen und eine neue Dimension ins oft vorhersehbare Angriffsspiel der Gunners bringen. Zusätzlich zu seinen eigenen Qualitäten führt sein Spielstil dazu, dass sowohl Cazorla als Neben- als auch Özil als Vordermann weiter aufrücken können. Somit kann Cazorla, der sich neben jemandem wie Coquelin oft tief fallen lassen musste, um das Aufbauspiel zu übernehmen, sich wieder mehr in die Offensive einschalten und dort als Verbindungsspieler agieren, um Ballsicherheit ins letzte Drittel zu bringen und dort Özil zu entlasten, auf dessen (hängenden) Schultern in der vergangenen Saison nahezu die gesamte strukturelle Verantwortung lastete. Dadurch wiederum kann eben jener Özil sich noch mehr aufs Offensivspiel konzentrieren und das machen, was er am besten kann: Sich in die Zwischenräume orientieren, das eigene Team dirigieren und sich für sie als Kombinationspartner zwischen den Linien anbieten sowie eben jene freien Räume bespielen. Dadurch ist er zwar auf den ersten Blick etwas weniger involviert als zuvor, seltener in Ballbesitz und mit weniger (offensichtlichen) Aktionen, dafür jedoch noch zielstrebiger und direkter als in der Vorsaison. Diese Verschiebung an Verantwortungsbereichen dürfte Arsenal deutlich voranbringen, da sie das Problem der Strukturlosigkeit auf mehreren Ebenen angeht.
Nichtsdestotrotz wird es vor allem an Wenger liegen, ob aus Arsenal in dieser Saison ein echter Titelkandidat werden kann. In Anbetracht der erstarkten Konkurrenz wage ich es leider zu bezweiflen.

An Arsenals Grundausrichtung werden die Neuzugänge mit großer Wahrscheinlichkeit wenig ändern. Wenger wird mit großer Wahrscheinlichkeit auf sein bewährtes 4-2-3-1/4-1-4-1 setzen, bei dem es einen klaren DM (Xhaka) sowie einen flexibleren ZM (Cazorla, Ramsey, …) hinter Özil gibt.

Die größte Variable in Arsenals Spiel wird die Wahl des Stürmers sein. Hier bietet sich sowohl ein 4-2-3-1/4-1-4-1 mit Stoßstürmer an, bei dem Giroud an vorderster Front aufläuft und man die Außenpositionen mit zwei (Halb-)Stürmern besetzt, die von außen in den Strafraum dringen sollen, als auch ein 4-2-3-1/4-1-4-1 mit mobiler Spitze, bei dem Giroud auf die Bank verdrängt wird und man mit einem flexibleren Spieler wie L. Pérez, Alexis oder später Welbeck vorne aufläuft. Während die erste Variante den Vorteil der erhöhten Physis und eines klaren Zielspielers vorweisen kann, wäre man in der zweiten Variante wohl schwerer ausrechenbar und potenziell dynamischer und kreativer. Wahrscheinlich wird Wenger hier häufiger rotieren und je nach Spielsituation und Gegner Anpassungen vornehmen.

Eine weitere, wenn auch unwahrscheinliche Möglichkeit wäre ein 3-5-2 mit mobiler Doppelspitze. Hierfür fehlt es realistisch betrachtet jedoch an Optionen für die defensive Dreierkette und auch die wingbacks wären, bis auf Bellerín, nur bedingt interessant. Interessant wäre eine solche Ausrichtung daher am ehesten gegen Topteams, falls man dort zurückhaltender agieren und mehr auf Konter als auf ein proaktives Ballbesitzspiel setzen will.

Es bleibt für diese Saison abzuwarten, ob Arsenal und Arséne zu alter Stärke zurückfinden können oder ob es erneut eine vielversprechende aber schließlich enttäuschende Saison werden sollte. In einem solchen Fall würde Wenger wohl seinen Hut nehmen und aus „Arséne knows“ würde endgültig „Arséne knew“ werden.

Schritt für Schritt zur Stabilität

Das Transferfenster ist geschlossen und Werder hat kurz vor Schluss noch einmal zugeschlagen. Mit Serge Gnabry kommt ein weiterer Offensivspieler, der auf beiden Außenbahnen zum Einsatz kommen kann. Gnabry besticht dabei vor allem durch sein Tempo, seine Ballbehandlung und seinen Zug zum Tor. Die Ausbildung bei Arsenal merkt man ihm dabei deutlich an: Er ist technisch beschlagen, gut im Dribbling und, wenn auch häufig zu ballfixiert, durchaus zu gutem Kombinationsspiel in der Lage. Nichtsdestotrotz ist er oft zu sehr auf den Ball und auf sich fixiert und sucht noch zu oft den Abschluss, wenn das Abspiel passender wäre. Gnabry gilt schon länger als sehr talentiert und hat insbesondere bei Arsenal und Wenger großes Vertrauen genossen und entsprechend früh erste Profierfahrungen sammeln können. Auch aufgrund mehrerer Verletzungen konnte er sich bislang jedoch nicht durchsetzen und ist, trotz seines Talents, noch nicht im  Herrenbereich angekommen. Zuletzt verlieh Arsenal ihn daher an West Bromwich Albion, der Erfolg blieb jedoch aus.
Für Werder stellt Gnabry trotz des bisher ausgebliebenen Leistungsnachweises eine interessante Ergänzung dar. Mit Bartels, Kainz und dem dort deplatzierten Yatabaré sind die Optionen für die Außenbahnen, die sowohl im 4-1-4-1 der Rückrunde als auch im 4-4-1-1/4-2-3-1 der Vorbereitung eine bedeutende Rolle einnehmen, limitiert. Hajrovic und Lorenzen spielen in den Planungen des Vereins keine Rolle mehr und Eilers‘ Comeback ist, wie auch seine Erstligatauglichkeit, nicht absehbar. Aufgrund seiner Stärken dürfte Gnabry daher schon bald die Chance erhalten, sich bei Werder zu beweisen. Entweder auf dem rechten Flügel, wo er seine ersten Schritte bei Arsenal machen durfte, oder links als Robben-Verschnitt. Wo er letztlich aufläuft, dürfte davon abhängen, wo Skripnik Bartels sieht und wie schnell Kainz sich an die Liga gewöhnen und ins Team spielen sollte. Ich persönlich sehe Bartels als umtriebigen Freigeist, der in offene Räume stößt und dort für Unruhe sorgt, auf dem rechten Flügel besser aufgehoben als links. Gleichzeitig erachte ich es als sinnvoll, Gnabry rechts zu bringen, um dort einen Spieler aufzubieten, der mit gefährlichen Hereingaben von der Grundlinie und beidfüßigen Abschlüssen für Gefahr sorgen kann. Auf der Gegenseite könnte man mit Kainz einen etwas inverser agierenden Spieler bringen, der aktiver das Kombinationsspiel und den Pass im letzten Drittel sucht. Bartels bliebe dann entweder als Option von der Bank oder als Freigeist im Offensivzentrum hinter einem Stürmer wie Thy. Dort wäre er potenziell weniger ins Kombinationsspiel eingebunden und primär für Läufe hinter die Abwehr zuständig, um Unruhe zu stiften. Das würde auch dafür sorgen, dass Werder mit Kainz/Bartels/Gnabry und davor Thy eine im Pressing sehr aktive und dynamische Offensive zu bieten hätte. Außen vor bliebe dann jedoch Junuzovic, der unter Skripnik nahezu einen Freifahrtsschein genießt. Ein Bankplatz für ihn ist entsprechend unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass Thy bisher nur bedingt überzeugen konnte. Auch die defensive Stabilität wäre bei einer solchen Aufstellung fraglich, da sowohl Kainz als auch Bartels und Gnabry Defizite im Defensivspiel aufweisen.
Eine Alternativmöglichkeit mit dem derzeit vorhandenen Personal wäre daher eine etwas defensivere und noch mehr aufs Umschaltspiel fokussierte Aufstellung. Dies könnte in Form eines defensiven 3-5-2 realisiert werden.
Hier hätte man mit Caldirola und Bauer zwei vom Spielertyp passende Halbverteidiger, mit Sané einen großen und dynamischen Aufbauspieler im Zentrum und davor mit Grillitsch einen Aufbau-, mit Fritz einen Balance- und mit Junuzovic einen Umschaltspieler, der v.a. für Offensivaktionen im letzten Drittel zuständig ist. Kainz müsste hierbei vorerst auf die Bank und hätte Zeit, sich an die Liga zu gewöhnen. Mit Bartels und Gnabry hätte man vorne zwei schnelle Spieler mit Zug zum Tor und könnte, je nach Spielsituation, mit Thy und Johannsson klassische Stürmer bringen.
Der nächste Schritt wäre dann eine etwas proaktivere Grundausrichtung bei Reintegration der wiedergenesenen Pizarro und García sowie, optimalerweise, gelungener Integration Kainz‘.  Möglich wäre dies mit einer Rückkehr zum 4-1-4-1 der Rückrunde.
Dies hätte den Vorteil, dass man zur gewohnten 1-2 Staffelung im Mittelfeld zurückkehren könnte. García passt hier als sehr linearer und offensiver Außenverteidiger gut zum einrückenden Kainz, während Bauer als eher defensiver AV gut mit Gnabry harmonieren würde, der eher Breite ins Spiel bringt.
Zur Rückrunde wiederum könnte man dann einen weiteren Schritt in Richtung kontrollierter Offensive wagen und Junuzovic durch den deutlich ballsicheren und spielstärkeren Kruse ersetzen. Mit Neuzugang Delaney stünde im Optimalfall auch noch ein besserer Balancespieler an Stelle von Fritz parat. Dies wiederum würde es ermöglichen, von der 1-2 Staffelung abzuweichen und zum 4-4-1-1/4-2-3-1 der Vorbereitung zurückzukehren, dessen große Problematik vor allem in der Doppelsechs Fritz/Junuzovic in Kombination mit spielschwachen Außenbahnen bestand. Möglich wäre es zu diesem Zeitpunkt auch, dass Johannsson, dessen Anlagen sich gut zu Kruse als Sturmpartner sowie einer perspektivischen Nachfolge Pizarros eignen, eben jenen auf die Bank verdrängt hat.
Nun sind solche Gedankenspiele zwar etwas statisch und theoretisch, dienen jedoch vor allem der Verbildlichung einer möglichen sukzessiven personellen wie taktischen Weiterentwicklung Werders in den kommenden Monaten, um Stück für Stück an Stabilität und spielerischer Klasse zu gewinnen.
Hinsichtlich der Neuzugänge hat das Team um Frank Baumann gute Arbeit geleistet und mehrere vielversprechende Spieler an die Weser gelotst. Nun liegt es an Viktor Skripnik, aus ihnen ein harmonisches und funktionierendes Kollektiv zu formen. Möglich wäre dies allemal, eine Selbstverständlichkeit ist jedoch nicht.
Ich persönlich bezweifle, dass es Skripnik gelingen wird. Zu repetitiv sind die Fehler, die er begeht, zu starr und monoschematisch ist seine Personalauswahl und zu häufig hat er es in der Vergangenheit versäumt, die richtigen Schlüsse aus Krisensituationen zu ziehen.
Es bleibt daher abzuwarten, ob ihm erneut die Kurve gelingt oder ob Werders Zukunft in den Händen eines anderen Trainers liegen wird.

Im Kampf mit sich selbst

Ich kann nicht für Menschen mit psychischen Erkrankungen sprechen und auch nicht für Menschen, die speziell unter Depressionen leiden.
Ich kann lediglich für mich sprechen und versuchen, daraus Schlüsse für mich selbst zu ziehen und darauf hoffen, dass andere Leute dies ebenfalls tun.

Warum genau möchte ich das nun in diesem Fall tun?
Nun, einerseits wäre da Sascha Lewandowskis Ableben, dessen Hintergründe (zumindest mir) zwar nicht bekannt sind, der jedoch in der Vergangenheit unter psychischen Erkrankungen litt und daher zwangsläufig dazu führen wird, die Debatte über eben solche Erkrankungen im Fußball neu zu entfachen. Andererseits wären da meine infolgedessen abgesetzten Tweets, an deren Anschluss ich vom werten Herrn @stadtneurotikr darauf hingewiesen wurde, dass ein verbloggter Beitrag einem solch komplexen Thema eher gerecht werden würde als eine Reihe an Tweets.
Recht hat er.

Nun hat meine Sichtweise auf diese Thematik sich zwar seit meiner letzten beiden Beiträge – siehe hier und hier– nicht grundlegend verändert, meine Situation als solche allerdings durchaus.

Seit September letzten Jahres nehme ich Antidepressiva, seit April diesen Jahres befinde ich mich „offiziell“ in therapeutischer Behandlung. Veranlasst dazu hat mich eine depressive Symptomatik, die über Jahre gereift ist, wobei der Anfangspunkt – irgendwann zwischen meinem 16. und meinem 18. Lebensjahr – schwer zu bestimmen ist. Die Symptome waren dabei mal mehr mal weniger stark ausgeprägt, sind im Mittel über die Jahre allerdings immer präsenter, schwerwiegender und dadurch mehr und mehr zu einer Beeinträchtigung geworden. Dabei war es keinesfalls ein steter Abwärtstrend, sondern mehr eine Achterbahnfahrt der Kategorie „wilde Maus“, bei denen es wenige Höhen und wenige echte Tiefen gab, dazwischen allerdings ziemlich viel vernachlässigende Durststrecken, die eigentlich keiner gebraucht hätte. Oder, anders ausgedrückt: Es ging mir selten richtig beschissen, allerdings auch nie wirklich gut. Nun ist das Problem daran, wenn es einem selten richtig beschissen geht aber auch nie wirklich gut, dass man sich leicht darin verliert und immer tiefer versackt, ohne wirklich aufzuschrecken. Bis man dann irgendwann feststellt, dass ein Leben ohne Höhen und Tiefen verdammt öde ist und einem durch diese Erkenntnis erst richtig bewusst wird, dass man sich zwar nicht total beschissen fühlt, dieses „nicht total beschissen“ aber auch einen verdammt niedrigen Maßstab darstellt.

Um das zu veranschaulichen: Ich habe mich selten gefühlt als hätte ich mir das Bein gebrochen aber schwere Knochen, müde Augen und einen Schädel hatte ich eigentlich immer. Verschnupft war ich irgendwie auch und so richtig voller Energie hab ich mich ohnehin nicht gefühlt. Aber was ist das schon gegen ein gebrochenes Bein, dachte ich mir. Das tut richtig weh, da möchte, nein, muss man vor Schmerzen weinen.

Weinen musste ich wiederum nicht. Irgendwann wollte ich zwar, konnte aber nicht. War irgendwie halt doch nicht so schlimm. Oder so ähnlich.

So dachte ich dann Monat um Monat, Jahr um Jahr und irgendwann bekam ich Panik. Was, wenn das die ganze Zeit so bleibt? Was, wenn ich nicht nur die nächsten Monate und Jahre, sondern auch die nächsten Jahrzehnte keine Höhen und Tiefen hätte? Was, wenn ich mich für den Rest meines Lebens jeden Tag aus dem Bett quälen müsste, um abends wieder schlafengehen zu können, weil man das halt so macht?

Für lange, lange Zeit hab ich mich durch Tage, Wochen und Monate gequält mit dem Gedanken, der Hoffnung daran, dass es irgendwann besser wird – und als ich anfing, genau daran zu zweifeln, wurde es richtig schwer. Wenn es keinen Spaß macht, zu leben und man keine Hoffnung mehr hat, dass es irgendwann wieder Spaß macht – wofür dann eigentlich weitermachen?

Im vierten Semester, mit 20, war ich dann das erste Mal soweit, aufgeben zu wollen. Ich war gerade mitten in der Klausurenphase und habe mich so leer, so antriebslos gefühlt wie bis dato noch nie. Wenn es einen einfachen „Aus-Schalter“ gäbe, hätte ich ihn damals – und seitdem einige Male – wahrscheinlich gedrückt. Aber ich wollte nicht mit 20 aufhören, wollte nicht „kapitulieren“. Also entschloss ich mich, nach der Klausurenphase professionelle Hilfe aufzusuchen, kroch durch die Prüfungen und.. tat nichts. Weil ich mich selbst nicht ernst genug nahm. Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass mein Zustand schon „krankhaft“ sein könnte und weil ich Angst davor hatte, als „gesund“ diagnostiziert zu werden. „Was, wenn ich gar nicht krank bin?“, dachte ich. „Wie soll ich dann weitermachen?“

Der Gedanke daran, nicht krank zu sein, erschien mir damals furchteinflößender als der Gedanke daran, krank zu sein. Also ging ich, logischerweise, nicht zum Arzt. Weil ich das Gefühl, krank zu sein, einer möglichen Diagnose, nicht krank zu sein, vorzog. Dass allein dieser Gedankengang einen hätte stutzig machen sollen und mir jegliche (Depressions-)Selbsttests zur Konsultation eines Arztes rieten, ignorierte ich. Solange, bis ich es nicht mehr ignorieren konnte. Rund ein Jahr später, während ich gerade meine Bachelorarbeit schrieb, ging es mir ähnlich schlecht, wenn nicht sogar schlechter als das Jahr zuvor. Es war Sommer, meine Freunde und Freundinnen schrieben zeitversetzt etwas später und mir blieben nur die Sicht nach draußen, auf die Sonne, die vollständige Lustlosigkeit, meine innere Leere, das mit jedem unproduktiven Tag ansteigende Gefühl der Wertlosigkeit und die daraus resultierenden, mich schon seit Jahren begleitenden Diskussionen mit mir selbst.

Fast jeder dürfte in seinem Leben eine Person kennengelernt haben, die einem schon beim bloßen Betreten des Raumes die Laune verdirbt. Diese eine Person, bei der man nur beim Atmen schon „halt die Klappe“ denkt.
Nun, im Normalfall kann man sich von solchen Personen entfernen. Ist schließlich nur eine Person von vielen. Bedeutend schwerer ist dies, wenn man bei Zeiten selbst diese Person ist. Wenn man selbst jede seiner Handlungen kommentiert und dabei weniger die liebevolle Mutti als viel mehr den zynischen Arschlochlehrer mimt.

„Sie schaffen es auch immer, einer Sache noch eine negative Wendung zu geben“, hat meine Therapeutin letztens sinngemäß gesagt. Stimmt. Ungünstig, wenn man sich in einer Situation befindet, in der man etwas intrinsische Motivation gebrauchen könnte. Von Selbstwertgefühl mal ganz zu schweigen.

Zurück zum Sommer 2015: Da war ich also nun. Die Bachelorarbeit war geschrieben, das Ergebnis mit einer 2,0 für meine (inneren) Verhältnisse ein Scheitern epischen Ausmaßes und dann hab ich den Aufnahmetest für den Master auch noch bestanden, die Aufnahmegrenze aber um zwei Punkte verpasst. Sagen wir so: Es hätte besser laufen können. Und ich, ich hätte mich kaum schlechter fühlen können. Tagelang zuhause zu bleiben, nicht zu duschen und die Wohnung verkümmern zu lassen, war zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. Ein Küchentuch über meine Spiegel zu hängen, um mein Gesicht nicht sehen zu müssen, auch.
So zogen sich die Wochen dann und die Appelle meiner Eltern, mich doch um einen Plan B zu bemühen, halfen mir und meinem Empfinden der völligen Unfähigkeit und Wertlosigkeit auch nicht unbedingt weiter.

Irgendwann war es dann soweit – möglicherweise beeinflusst durch den tragischen Suizid eines Mitbewohners meines Freundes – und es gab für mich eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Entweder mit professioneller Hilfe weitermachen oder.. nicht. Dieses Mal war die Angst vor (dem Ausbleiben) der Zukunft größer als die Angst vor der Diagnose. Die habe ich meiner Hausärztin dann mit „ich glaube, ich bin depressiv“ zwar selbst geliefert, befreiend war der bloße Umstand, Antidepressiva verschrieben zu bekommen und nun mehr oder weniger „offiziell“ krank zu sein, allerdings schon. Vor allem, als ich es ein paar Wochen später dann meinem besten Freund erzählt habe. Wiederum etwas später traf ich meine erste Therapeutin, hatte kein gutes Gefühl, versuchte es bei einer weiteren und entschied mich dort für eine Therapie, die nach einigen Vorsitzungen und einer rund zwei Monate andauernden Gutachtungsphase durch die Krankenkasse dann im April begonnen hat.

Dabei waren die Antidepressiva anfangs zwar mental eine bedeutende Erleichterung, sind aber von ihrer Wirkung her bis heute, trotz recht hoher Dosis, bei Weitem nicht das, was ich mir erhofft hatte. Sie sind eben ein langfristig ausgerichtetes Medikament, keine euphorisierende Droge für einen Abend. Ebenso klingt eine Therapie zwar im ersten Moment nach Couch und „mir gehts irgendwie nicht so gut“ – zumindest im Klischee – ist aber ehrlich gesagt eher so Sessel und „mir gehts irgendwie nicht so gut“ und, wer hätte es gedacht, kein Wundermittel.

Immerhin bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher, dass ich nicht „depressiv“ bin – wobei hier angemerkt sei, dass Depressionen diverse Ausführungen haben und keinesfalls zu pauschalisieren sind, sowohl von Ursache und Symptomatik als auch vom Verlauf her -, sondern „nur“ unter depressiven Symptomatiken als Resultat einer tiefer greifenden Störung meines Ich-Empfindens leide.
Simpler ausgedrückt: Ich kann mich selbst nicht sonderlich gut leiden, obwohl ich weiß, dass das rational betrachtet ziemlich unsinnig ist, und habe irgendwann aus diesem Grund depressive Symptome entwickelt. Eben jene Symptome hab ich mittlerweile zwar gut im Griff, ein großer Fan werden ich und, äh, ich aber in absehbarer Zeit wohl nicht voneinander.

Dennoch: Ich bin stabil. Ich arbeite Vollzeit, ich treibe nebenbei sechs Mal die Woche Sport, ich verabrede und treffe mich mit Freunden, ich kann (wieder) lachen und auch, wenn ich mich immer noch manchmal leer und ausgelaugt fühle, geht es mir, im Großen und Ganzen, gut. Zumindest so gut wie lange nicht mehr.

Dabei profitiere ich allerdings von mehreren Faktoren. Ich habe ein stabiles Umfeld in Bezug auf Familie und Freunde, ich bin überdurchschnittlich intelligent, gut gebildet und im Umgang mit verschiedenen Möglichkeiten der (psychischen) Problembewältigung, sogenannten Coping-Strategien, zumindest in Ansätzen vertraut. Die sind zwar in der Theorie deutlich einfacher als in der Praxis als Betroffener, ich bin und war allerdings im Umgang mit mir selbst nie (vollkommen) unwissend. Das hilft zumindest ein wenig. Zudem bin ich dazu in der Lage, mich selbst in ziemlich beschissenen Zeiten an eigene Erfolge zu erinnern, sie hervorzuholen und mich daran festzuklammern, sie quasi als „Anker“ zu benutzen. Dazu gehören schulische und universitäre Erfolge, individuelle Errungenschaften wie das Abnehmen, das Erinnern an eigene Fähigkeiten oder schlicht das Hervorholen schöner Erinnerungen und Momente.

Andere haben das nicht in dem Maße. Menschen, die kein stabiles Umfeld haben und deren Ressourcen schwächer ausgeprägt sind als meine, haben es mitunter schwerer. Entsprechend ausgeprägt ist mein Verständnis für jene, die in einer solchen Lage den Suizid wählen. Allein der Gedanke daran, meine schlimmsten Phasen nicht über einige Monate oder Jahre, sondern beispielsweise über Jahrzehnte ertragen zu müssen, bringt mich zum Schlucken. Dass einem in einer solchen Situation irgendwann Kraft und Motivation fehlen, weiterzumachen, kann ich mir bildhaft vorstellen. Nach dem Suizid des Mitbewohners fragten er und andere Freunde sich, wie es so weit kommen konnte. Wie man irgendwann so weit sein könnte, nicht mehr weiterleben zu wollen, obwohl man vermeintlich alles hat. Damals blieb ich stumm. Aus Scham, aus Angst, aus einem Gefühl der Machtlosigkeit heraus.

Heute denke ich anders. Heute denke ich, dass es wichtig ist, ein solch komplexes Thema nicht unkommentiert zu lassen.

Das begann hiermit…

Ich würde mir wünschen, dass zukünftig sowohl Fans als auch Vereine als auch Sponsoren diesbezüglich mehr Präsenz zeigen. Ein Business wie der Profifußball potenziert mitunter die gesellschaftlich immer dominanter werdenden Risikofaktoren psychischer Erkrankungen. Die Prävention wiederum wirkt gleichzeitig noch spärlicher als unter normalen Bedingungen. Das ist mitunter fahrlässig. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Schnelle Hilfe ist oft nahezu unmöglich. Umso wichtiger sind stabile Hilfskonstrukte zur Prävention und (Notfall-)Intervention. Medikamente wirken weder schnell noch so intensiv wie man sich das vorstellt und eine Therapie ist ein langwieriger Prozess, sowohl in der Anlaufphase als auch in der eigentlichen Intervention.

und endet mit folgendem Schlusswort:

Psychische Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft von enormer Relevanz. Allein schon statistisch, trotz gewaltiger Dunkelziffer. Aber vor allem auch aus humanitären Gründen. Eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, hat ein Problem. Nicht nur, wenn sie den Suizid wählen.
Der stetig größer werdende Leistungsdruck, die weiterhin vorhandene Stigmatisierung, die mangelnde Thematisierung dieses bedeutenden Themas – alles Elemente, die den benötigten, offenen und konstruktiven Umgang mit psychischen Erkrankungen erschweren. Ebenso wie die geringe Anzahl an Therapieplätzen, der erschwerte Zugang dazu und die abschreckenden Ausbildungsmöglichkeiten für angehende Therapeutinnen und Therapeuten.

Wir haben ein Problem. Gesundheitlich, humanitär, gesellschaftlich. Mit Schweigen ändern wir nichts.